Der LC-Motor

© Lorenz Borsche 1982-2001

Der LC-Motor ist zunächst mal ein konventioneller Verbrennungsmotor (Otto- oder Dieselmotor), der mit allen geeigneten Brennstoffen betrieben werden kann. Die Besonderheit ist die Umsetzung der linearen (geradförmigen) Bewegung der Kolben in die circuläre (kreisförmige) Bewegung der Kurbelwelle. Während ausser dem Wankelmotor praktisch alle anderen Motoren dies über ein Pleuel lösen, eine je nach Kolbenstellung mehr oder weniger schräg stehende Verbindungstange zur Kurbelwelle, nutzt der LC-Motor eine geometrische Besonderheit, die es erlaubt, eine Kreisbewegung direkt in eine geradeförmige Hin-und-Herbewegung zu übersetzen (s. u. Grafik). Er vereinigt damit die Vorteile des Wankels (runder wuchtfreier Lauf), ohne seine Nachteile (Dichtungsprobleme, Verbrauch) zu übernehmen, da er sich hier wie ein Hubkolbenmotor verhält.

 

 

Erläuterung: Der linear-circuläre Kurbeltrieb vermeidet im Idealfall vollständig die normalerweise durch den schrägstehenden Pleuel entstehende Reibung des Kolbens am Zylinder.  Auch das übliche Verkanten des Kolbens entfällt. Durch Fertigungstoleranz und Abrieb könnte allerdings ein O- oder 8-förmiges Oszillieren des Kurbelzapfens auftreten, das ähnliche Verlusteffekte zeitigen könnte. Daher ist zusätzlich ein Element zum Ausgleich einer ev. auftretenden horizontalen Abweichung von der Geraden vorzusehen. Die LC-Kinematik erlaubt extrem optimierte Bauformen von Kurbelgehäuse, Zylindern und Kolben, vor allem als Boxer: In diesem Fall wirken die gegenüberliegenden Kolben im Sinne des 'Verkanntens' wie ein großer, die Kolben können 'flach' ausgeführt sein und die Zylinderlaufbuchse wird nur wenig länger als der effektive Hub. Die linear bewegte Kolbenstange kann gegen das Kurbelgehäuse abgedichtet werden und bildet so einen zweiten Verdichtungsraum, der den Ansaugtakt übernimmt. Damit wird ein 2-Takt-Prinzip mit Kolbensteuerung und Getrenntschmierung ermöglicht. Das spart viele Teile ein und erlaubt eine hohe Leistungsdichte. Der im Arbeitstakt hoch beschleunigte Kolben läuft dann gegen zwei Verdichtungsräume und wird damit wirksam ohne Kurbelwellenbelastung gebremst. Der Vierzylinder-Doppelboxer kann vollständig ausgewuchtet werden, auch das Abschalten zweier Zylinder für den optimiertern Teillastbetrieb hebt diesen Effekt nicht auf. Dabei können die beiden abgeschalteten Zylinder, die mit ihren Gaspolstern ein Schwingungssystem bilden, durch geschickte Luftmengenregelung jeweils im Resonanzbereich gehalten werden, womit die Energieverluste durch die leerlaufenden Zylinder minimiert werden.

 

LC-Motor (Grafik s.u., AVI-Video 3:55 min, 1940 kB)